Prag

Prager Pflaster

Für eine Städtereise ist Tschechiens Hauptstadt wie geschaffen. Die historische Altstadt können Eilige in zwei Stunden erlaufen. Aber es gibt auch viel mehr zu entdecken…

Eine erste Warnung vor Reiseantritt: „Bitte keine hochhackigen Schuhe tragen. Das würde Sie auf den Pflastersteinen der Prager Altstadt nur behindern.“ Klingt logisch, überrascht aber irgendwie doch. Bislang dachten wir immer, Frauen in Osteuropa würden sich fast ausschließlich auf High Heels fortbewegen. Aber auch mit diesem Klischee räumt Peter Knoll, General Manager des Prager Kempinski Hotels Hybernská, schnell auf: „Die meisten unserer Gäste denken gar nicht daran, dass Prag westlicher als Wien liegt.“

Die geografische Lage jedoch ist nicht der Grund, warum sich in den Glanzzeiten der K.u.K.-Monarchie so manche österreichische Majestät ebenso gern in ihrer Prager Residenz aufhielt wie in der Hauptstadt Wien. Die Prager Burg gilt als die größte geschlossene Festungsanlage Europas und bietet hoch über der Stadt auf einem Felsen thronend wunderbare Ausblicke auf die Altstadt mit ihren historischen Moldau-Brücken.

Wir reißen uns von diesem Anblick los, schauen uns den Lobkowicz-Palast mit seiner berühmten Kunst- und Schriftensammlung an. Anschließend die winzigen in die Festungsmauer hinein gesetzten Häuser der Goldenen Gasse, von denen eines auch Franz Kafka vorübergehend bewohnte, und begeben uns dann auf den rund 20-minütigen Fußmarsch bergab zur Karlsbrücke. Sie ist eine der ältesten Steinbrücken Europas und wurde bis in die späten 70-er Jahre hinein noch von Autos und Straßenbahnen genutzt. Heute ist sie Fußgängern vorbehalten und dient zahlreichen Porträtmalern und Souvenirhändlern als Marktplatz. Mehr als 200.000 Besucher aus vielen Ländern spazieren täglich über die Brücke. An ihren Füßen jedoch entdecken wir tatsächlich nur Sandalen oder Bequemschuhe. Liegt’s am Prager Pflaster, oder an den Einkaufsmöglichkeiten?

Als Tourist wird man bei einer entsprechenden Frage sofort an das Palladium Shoppingcenter mit seinen über 200 Geschäften verwiesen.  Aber später stoßen wie an dem von vielen Shops gesäumten Wenzelsplatz auf das Bata-Schuhhaus mit seinen mehrstöckigen Verkaufsflächen. Zwischen den umgebenden Jugendstil-Fassaden wirkt es fast wie ein Kaufhaus aus den 70ern. Dabei wurde es schon in den 20-er Jahren vom berühmten Schweizer Art-Déco-Künstler Jules Courvoisier entworfen, ein Freund des tschechischen Schuhfabrikanten Tomáš Bat’a. Der wiederum gilt als Erfinder der industriellen Schuhproduktion und machte Bata-Schuhe schon in den 30-er Jahren zum Weltmarktführer.

Prag hat also in jeder Beziehung Historisches aufzuweisen. Dazu zählen auch die vielen Bierkneipen mit deftigen Speiseangeboten. In einer davon genießen wir jetzt erst einmal ein frisches Lobkowicz-Pils.